Die Rettungsdecke im Winter: Schutz vor Kälte, Unterkühlung und Erfrierung

Veröffentlicht am 23. January 2026. Lesedauer 8min


Die aktuellen Temperaturen stellen für viele Menschen eine besondere Herausforderung dar – insbesondere bei Notfällen im Freien. Ob nach einem Unfall, einer Panne oder einem Sturz: Kälte, Wind und Feuchtigkeit können schnell zu einer lebensbedrohlichen Unterkühlung führen. Gerade jetzt ist die Rettungsdecke ein unverzichtbares Hilfsmittel. Sie ist nicht nur gesetzlich im Verbandskasten vorgeschrieben, sondern kann im Ernstfall entscheidend dazu beitragen, die Gesundheit und das Leben von Betroffenen zu schützen.

Was ist eine Rettungsdecke?

Die Rettungsdecke ist eine hauchdünne, aber äußerst reißfeste Folie aus Polyester, die mit Aluminium beschichtet ist. Sie misst etwa 210 x 160 cm und ist so kompakt gefaltet, dass sie in jeden Erste-Hilfe-Kasten passt. Die charakteristische Färbung – eine goldene und eine silberne Seite – sorgt nicht nur für bessere Sichtbarkeit, sondern erfüllt auch wichtige praktische Funktionen. Die Rettungsdecke ist in Deutschland nach DIN 13164 Pflichtbestandteil jedes Kfz-Verbandskastens und auch in betrieblichen Erste-Hilfe-Kästen vorgeschrieben. Doch nicht nur im Auto oder Betrieb ist sie sinnvoll: Für Outdoor-Aktivitäten, längere Autofahrten oder Sport im Freien sollte sie ebenfalls immer dabei sein – sie wiegt kaum etwas und nimmt fast keinen Platz weg. Achte darauf, deinen Verbandskasten regelmäßig zu kontrollieren und beschädigte oder fehlende Rettungsdecken zeitnah zu ersetzen. Für Ausflüge im Winter gilt: Packe immer eine Rettungsdecke ins Gepäck, ganz gleich ob du spazieren gehst, Sport treibst oder verreist. So bist du für den Ernstfall bestens vorbereitet und kannst dir und anderen schnell und effektiv helfen.

Warum ist die Rettungsdecke im Winter unverzichtbar?

Weil eine Unterkühlung lebensbedrohlich sein kann. Gerade bei niedrigen Temperaturen verliert der menschliche Körper im Freien schnell an Wärme – besonders, wenn man sich nach einem Unfall oder einer Panne nicht mehr ausreichend bewegen kann. Wind, Feuchtigkeit und Minusgrade beschleunigen diesen Prozess, unabhängig davon, ob Schnee liegt oder nicht. Eine schwere Unterkühlung ist ein medizinischer Notfall und kann tödlich enden, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird.

Wichtig zu wissen: Nicht nur die Kälte selbst ist gefährlich – auch das zu schnelle oder unsachgemäße Aufwärmen kann lebensgefährlich sein. Wird ein stark unterkühlter Mensch zu schnell aufgewärmt, etwa durch heiße Bäder oder intensive Wärmezufuhr, kann der Kreislauf überfordert werden. Der Körper ist in diesem Zustand extrem belastet und verträgt keine plötzlichen Temperaturwechsel. Es besteht die Gefahr von Bewusstlosigkeit bzw. von Kreislauf- oder Herzrhythmusstörungen. Deshalb ist es entscheidend, Betroffene langsam und schonend zu wärmen. Die Rettungsdecke hilft dabei, indem sie die vorhandene Körperwärme erhält, vor Wind und Feuchtigkeit schützt und so wertvolle Zeit verschafft, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Unterkühlung und Erfrierung – Unterschiede, Symptome und Erste Hilfe

  • Unterkühlung tritt auf, wenn der Körper mehr Wärme verliert, als er nachproduzieren kann. Sie entwickelt sich meist schleichend und verläuft in mehreren Stadien: Anfangs äußert sie sich durch starkes Zittern, Kältegefühl und blasse Haut. Bleibt die Unterkühlung unbehandelt, können Schläfrigkeit, Verwirrtheit und schließlich Bewusstlosigkeit folgen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Verletzte und alkoholisierte Personen. Eine Unterkühlung ist immer lebensbedrohlich und muss – sofern keine Bewusstlosigkeit vorliegt – vorrangig gegenüber Erfrierungen behandelt werden. Sie betrifft den gesamten Körper und kann schnell zu schweren Komplikationen führen.“ Die Rettungsdecke ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Vermeidung weiterer Auskühlung und hilft gezielt bei der Behandlung einer Unterkühlung.

  • Erfrierungen hingegen betreffen meist die äußeren Körperteile wie Finger, Zehen, Nase und Ohren. Sie entstehen durch langanhaltende Kälteeinwirkung. Typische Symptome sind blasse oder weißliche Haut, Taubheitsgefühl, Schmerzen, später Blasenbildung und eine bläulich-schwarze Verfärbung im fortgeschrittenen Stadium. Die Schäden sind sichtbar und können – wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird – zu dauerhaften Schäden bis hin zum Gewebetod führen. Die Rettungsdecke wird hier eingesetzt, um die betroffenen Personen vor einer zusätzlichen Unterkühlung zu schützen, nicht jedoch zur direkten Behandlung der Erfrierung selbst.

Möchtest du mehr darüber erfahren, wie du eine Unterkühlung erkennst, welche Stadien es gibt und was im Notfall zu tun ist? Ausführliche Informationen und praktische Erste-Hilfe-Tipps findest du in unserem Blogbeitrag: Lebensgefahr durch Kälte? So reagierst du bei Unterkühlung richtig!

Wie hilft die Rettungsdecke konkret bei Kälteunfällen?

Die Rettungsdecke hilft, indem sie die körpereigene Wärme reflektiert und so den Wärmeverlust deutlich verlangsamt. Dank ihrer wind- und wasserdichten Eigenschaften schützt sie nicht nur vor Kälte, sondern auch zuverlässig vor Wind und Nässe. Für die optimale Wirkung sollte die silberne Seite zum Körper zeigen und die goldene Seite nach außen, damit die Person besser sichtbar bleibt und die Wärme bestmöglich gehalten wird. Eine Rettungsdecke ersetzt keine warme Kleidung, sondern dient als Sofortmaßnahme im Notfall. Sie sorgt dafür, dass der Körper nicht weiter auskühlt, und verschafft wertvolle Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Wie wende ich die Rettungsdecke bei einem Kälteunfall richtig an?


  • Eigene Sicherheit & Kälteschutz für die betroffene Person: Achte zuerst auf deine eigene Sicherheit, bevor du hilfst – prüfe die Umgebung auf Gefahren wie Straßenverkehr, Glätte oder andere Risiken. Bei einem Kälteunfall sollte die betroffene Person möglichst nicht direkt auf dem kalten Boden liegen. Lege Kleidung oder eine Decke unter die Person, um sie vor Bodenkälte zu schützen, und decke sie anschließend mit der Rettungsdecke zu.

  • Bewusstsein prüfen: Sprich die Person laut und deutlich an, fasse sie an der Schulter an und schau, ob sie auf Ansprache oder Berührung reagiert. Beobachte, ob die Person die Augen öffnet oder andere Reaktionen zeigt. Ist die Person bewusstlos, rufe laut nach Hilfe, damit weitere Helfer kommen und ihr die Aufgaben gemeinsam aufteilen könnt.


  • Atmung kontrollieren: Nimm zuerst die Brille der betroffenen Person ab, falls sie eine trägt. Lege dann eine Hand auf den Oberkopf der betroffenen Person, zwei Finger unter ihr Kinn, und strecke ihren Kopf nach hinten. Halte den Kopf während der gesamten Kontrolle gestreckt, da die Muskulatur bei Bewusstlosigkeit erschlafft ist. Gehe mit deinem Ohr nah an Mund und Nase der betroffenen Person, höre und fühle die Atmung und beobachte Brust- oder Bauchbewegungen. Ist die Person bewusstlos und atmet normal, bring sie in die stabile Seitenlage - dies geht auch, wenn sie in eine Rettungsdecke eingewickelt ist - und wähle anschließend den Notruf. Überwache die Atmung kontinuierlich, bis der Rettungsdienst eintrifft. Sollte die Atmung unnormal oder nicht vorhanden sein, beginne sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Bitte um Unterstützung durch weitere Helfer und setze so früh wie möglich den Notruf ab. Wechselt euch beim Helfen ab, falls möglich. Bist du unsicher, ob die Atmung normal ist, gehe immer von einer unnormalen Atmung aus.

  • Nasse Kleidung entfernen: Bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung muss die Kleidung am Oberkörper entfernt werden, um den richtigen Druckpunkt zu finden und gegebenenfalls die Elektroden eines AED anzubringen. Ist die Person nur leicht unterkühlt, entferne nasse Kleidung, da Feuchtigkeit das Auskühlen beschleunigt, und ziehe wenn möglich trockene Kleidung an oder decke die Person zusätzlich zu. Bei schwerer Unterkühlung oder Bewusstlosigkeit sollte die Kleidung möglichst anbehalten werden, um unnötige Bewegungen und Belastungen für das Herz zu vermeiden. In diesem Fall steht die Sicherung der Vitalfunktionen im Vordergrund.

  • Mit der Rettungsdecke einwickeln: Hülle die Person vollständig in die Rettungsdecke ein, das Gesicht bleibt frei. Die silberne Seite zeigt zum Körper. Beruhige die Person und bewege sie so wenig wie möglich, um den Kreislauf zu schonen.

  • Notruf absetzen: Wähle den Notruf (112). Bleibe bei der Person und überwache kontinuierlich die Atmung, bis der Rettungsdienst eintrifft. Nach Rücksprache mit dem Rettungsdienst kannst du – sofern die Person wach und ansprechbar ist – warme, zuckerhaltige Getränke anbieten.

Häufige Irrtümer rund um die Rettungsdecke

Rund um die Rettungsdecke kursieren viele Missverständnisse, die im Notfall zu Unsicherheiten führen können. Hier die wichtigsten Fakten:

  • Die Rettungsdecke erzeugt keine eigene Wärme: Viele glauben, die Rettungsdecke würde aktiv wärmen. Tatsächlich reflektiert sie lediglich die körpereigene Wärme und verhindert, dass diese verloren geht. Sie ist also ein Schutz vor weiterer Auskühlung, kein Ersatz für warme Kleidung oder eine Heizung.

  • Die Seite der Rettungsdecke ist nicht entscheidend für den Schutz vor Kälte: Es ist zwar optimal, die silberne Seite zum Körper zu legen und die goldene nach außen zu zeigen, doch im Notfall zählt vor allem, dass die Rettungsdecke überhaupt verwendet wird. Der Unterschied in der Wärmeerhaltung ist gering.

  • Rettungsdecken sind vielseitig einsetzbar: Neben dem Schutz vor Kälte kann eine Rettungsdecke auch als Wind- oder Regenschutz dienen. Ihre auffällige Farbe macht sie zudem als Signalhilfe bei Rettungsaktionen wertvoll.

  • Die Rettungsdecke ist kein Einwegprodukt, aber schwer wieder zusammenzufalten: Nach Gebrauch lässt sie sich meist nicht mehr so kompakt verpacken wie im Originalzustand, kann aber weiterhin als Notfallausrüstung genutzt werden, solange sie unbeschädigt ist.


Erste Hilfe will geübt sein - Besuche den PRIMEROS Erste-Hilfe-Kurs

Im Notfall zählt jede Sekunde – und richtiges Handeln kann Leben retten. Deshalb ist es wichtig, Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig aufzufrischen. Nur so bist du im Ernstfall sicher und weißt, wie du mit der Rettungsdecke und anderen Maßnahmen optimal helfen kannst.

Unser Tipp: Buche einen PRIMEROS Erste-Hilfe-Kurs oder nutze einen Online-Kurs der WebAcademy, um dein Wissen aufzufrischen und im Ernstfall souverän zu handeln. So bist du nicht nur im Winter, sondern das ganze Jahr über bestens auf Notfälle vorbereitet.

Fazit:

Kleine Decke, große Wirkung – warum die Rettungsdecke im Winter unverzichtbar ist

Die Rettungsdecke ist ein unscheinbares, aber lebenswichtiges Hilfsmittel, das in keiner Notfallsituation im Winter fehlen sollte. Sie schützt effektiv vor Kälte und Unterkühlung – egal, ob du im Auto unterwegs bist, Sport treibst oder draußen spazieren gehst. Wer die Anwendung kennt und im Ernstfall richtig handelt, kann mit einfachen Mitteln wertvolle Zeit gewinnen und Leben retten. Prüfe regelmäßig deinen Verbandskasten, halte eine Rettungsdecke immer griffbereit und frische dein Erste-Hilfe-Wissen auf. So bist du bestens vorbereitet, um dich selbst und andere sicher durch die kalte Jahreszeit zu bringen.